Skonto ist teuer: 2 % Skonto = 36 % Zins!

Die Zahlungsmoral in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Dies bringt viele Unternehmer auf die Idee, den Kunden Skonto (Preisnachlass auf den Rechnungsbetrag bei Zahlung innerhalb einer bestimmten Frist) zu gewähren, um die Debitorenausstände zu verringern. In vielen Branchen (Bau, Gewerbe, …) ist Skonto-Gewährung nach wie vor sehr beliebt.

Dass Skonto jedoch eine enorm teure Finanzierungsform ist, ist leider nur wenigen bewusst. Deshalb möchten wir Ihnen in diesem Artikel vorrechnen, wie viel Sie Skonto kostet.

Beispiel:

  • Rechnungsbetrag: CHF 10’000
  • Skonto: 2% innerhalb von 10 Tagen,
  • Normale Fälligkeit: 30 Tage

Anders ausgedrückt bedeutet das: die Rechnung 20 Tage früher bezahlt zu erhalten, kostet 2 Prozent des Rechnungsbetrages.

Berechnung des Jahres-Zinssatzes bei Abzug von Skonto:

  1. Der Zahlungseingang über eine Rechnung von CHF 10’000 erfolgt 20 Tage früher.
  2. Dies kostet den Lieferanten 2 % von CHF 10’000, also CHF 200.
  3. Dies entspricht einem Zinsbetrag von CHF 200 für 20 Tage auf CHF 10’000
  4. Auf ein Jahr hochgerechnet beträgt der Zins CHF 200 / 20 Tage x 360 Tage, also CHF 3’600
  5. CHF 3’600 auf einen Betrag von CHF 10’000 bedeutet ein Zinssatz von 36 Prozent pro Jahr!

Noch extremer wird der Zinssatz bei Gewährung eines Skonto von 3 Prozent innerhalb von 10 Tagen: 54 Prozent!

Sie sollten sich also dringend nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen: Nicht einmal der teuerste Kredithai wird Ihnen 36 Prozent Zins abnehmen. Im Vergleich zu Skonto ist ein Kontokorrentkredit bei einer Bank geradezu günstig: Je nach Konstellation (Branche, Kreditwürdigkeit, …) bezahlt man ca. 6 bis 10 % pro Jahr. Wenn Sie die Chance haben, eine Finanzierung zu erhalten, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit Ihrer Hausbank aufnehmen.

Sollte Ihnen ein Lieferant Skonto gewähren, dann empfehlen wir Ihnen, diesen dringend beanspruchen: 36% Rendite erhalten Sie in den besten Jahren an der Börse nicht!

3 replies
  1. Hotz
    Hotz says:

    Selbstverständlich ist Skonto als Finanzierungsform teuer – so ist Skonto aber eben auch nicht gedacht. Im Gegenteil, Skonto wird bei sauberer Preiskalkulation nämlich (als Finanzierungskosten) auf den ursprünglich kalkulierten Verkaufspreis aufgeschlagen – und bei pünktlicher Zahlung (und somit dem Wegfall der Finanzierungskosten) wieder abgezogen. Dadurch ist der Skontoabzug für den Verkäufer völlig kostenneutral.

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  2. Tekki
    Tekki says:

    Wenn ich auf meinen Rechnungen 2 % Skonto gewähre und jeder Kunde macht davon Gebrauch, so hat mich das Ende Jahr 2 % des Umsatzes gekostet und nicht 36 %.
    Einer von uns beiden macht eine Fehlüberlegung.

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    • Thomas Brändle
      Thomas Brändle says:

      Hallo Tekki

      Es stimmt, dass Du 2% des Umsatzes verlierst, wenn Du 2% Skonto gibst. Du gibst die 2% Skonto aber nur, damit Du den Zahlungseingang 20 Tage früher hast. 2% für 20 Tage geben aufs Jahr hochgerechnet den Zinssatz von 36%.

      Wenn Du bei der Bank einen Kontokorrent Kredit von 8% für 20 Tage aufnimmst, dann bezahlst Du dafür aufs Jahr hochgerechnet einen Zins von 0.44% des Rechnungsbetrages. Damit hättest Du bei 100% Finanzierungskosten in der Höhe von 0.44%.

      Die ganzen Rechnungsbeispiele stimmen natürlich nur unter der Annahme, dass die Rechnungen dann tatsächlich nach 30 Tagen bezahlt werden – was praktisch nicht realistisch ist.

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