9 Finanz-Prinzipien: Das muss ein Unternehmer wissen

9 Finanz-Prinzipien: Das muss ein Unternehmer wissen

Blut im Körper ist wie Geld in der Firma. Zu viel Blutverlust führt zum Tod – ein Unternehmen, das Geld verliert, geht Konkurs. Der Geldfluss ist ein wichtiger Indikator, ob ein Unternehmen funktioniert oder nicht. Wenn mehr Geld abfliesst als hereinkommt, heisst dies nichts Gutes. Diese 9 Finanz-Pinzipien bestimmen, wie überlebensfähig ihre Unternehmung ist.

Erfolg dank Finanz-Prinzipen

Ein Unternehmer muss keine detaillierten Kenntnisse über Buchführung haben. Eine solide Zahlenbasis bildet das Fundament einer unternehmerischen Tätigkeit, die er sehr gut einkaufen kann. Allerdings sollte ein Unternehmer die folgenden 9 Finanz-Prinzipien verstehen, wenn er sein Unternehmen zum Erfolg führen will

Der Cashflow – und damit das Überleben des Unternehmens – wird von operativen Zusammenhängen, von Investitionen und der Finanzierung beeinflusst. Interpretiert der Unternehmer die Zusammenhänge falsch, kann er die notwendigen Verbesserungen nicht vornehmen. Er riskiert damit, sein Unternehmen in den Ruin zu treiben. Eine Geschäftsidee kann noch so gut sein – wenn das Unternehmen kein Cashflow produzieren kann, hat es keine Daseinsberechtigung.

Um den Gesundheitszustand seines Unternehmens beurteilen zu können, ist der Geschäftsführer gut beraten, die folgenden 9 Finanz-Prinzipien genau unter die Lupe zu nehmen:

1. Operative Einnahmen

Die Operativen Einnahmen entsprechen dem Geld, das Ihre Kunden für den Verkauf Ihrer Produkte und Dienstleistungen heute bezahlen. Der Umsatz ist dabei nicht relevant, da er nicht zwingend sofort bezahlt wird. Eventuelle zukünftige Zahlungen dürfen bei den operativen Einnahmen nicht berücksichtigt werden, weil Sie jetzt darüber nicht verfügen können und sie den Cashflow aktuell nicht beeinflussen. Genau so wenig zählt der Geldstrom mit, der von Investoren oder Kreditgebern stammt. Mittel- bis langfristig kann ein Unternehmen nur dann überleben, wenn es ihm gelingt, genügend Einnahmen von Kunden zu generieren.

Leider wird es aufgrund der COVID-19 Situation in der nächsten Zeit viele Zombie-Unternehmen geben, die aufgrund der Überschuldung nicht mehr fähig sind, Ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Viele Unternehmen sind hier viel zu optimistisch und nicht bereit, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Es wird in Zukunft sehr viel wichtiger sein, die Kreditwürdigkeit seiner Kunden regelmässig zu überprüfen.

Versuchen Sie die operativen Einnahmen über sinnvolle Wachstums-Massnahmen zu steigern. Je unmittelbarer diese Einnahmen bezahlt werden, desto besser ist es für Ihr Geschäftsmodell. Am besten ist es, wenn Ihre Kunden die Leistungen bezahlen, bevor Sie diese überhaupt liefern („Prepaid“) und bevor Kosten für die Leistungserbringung entstehen.

2. Kundenbindungsrate

Sie sollten Ihr Geschäft nicht nur über Ihre Produkte und Dienstleistungen definieren. Viel wichtiger sind Ihre Kunden, die ihr Geld bei Ihnen auszugeben bereit sind.

Die Kundenbindungsrate (oft wird auch der Englische Begriff Retention Rate verwendet) gibt den Prozentsatz der Kunden an, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums im Kundenstamm gehalten werden. Wandern 60% der Kunden innerhalb eines Jahres ab, beträgt die Retention Rate in diesem Jahr 40%.

Wie viele Kunden haben Sie, die zurückkommen und erneut bei Ihnen einkaufen? Die besten Geschäftsmodelle sind diejenigen, bei denen Sie Ihre Kunden an sich binden und dadurch immer wieder neue Umsätze bei Ihnen generieren. Je öfter der Kunde erneut bei ihnen kauft, desto besser ist ihr Geschäftsmodell.

Es kostet sehr viel mehr Geld, einen neuen Kunden zu gewinnen als einen bestehenden Kunden zu halten und zum erneuten Kauf zu bewegen. Von treuen Kunden haben Sie deshalb viel mehr. Unser Finanz-Prinzip: Fokussieren Sie sich auf diese.

3. Customer Lifetime Value

Der Customer Lifetime Value ist der Deckungsbeitrag, den ein Kunde während seines gesamten „Kundenlebens“ bei Ihnen realisiert. Hier geht es darum, wie viel der durchschnittliche Kunde bei Ihnen ausgibt, so lange er bei Ihnen Kunde ist. Je mehr der Kunde bei Ihnen ausgibt, desto besser für sie.

Eine sorgfältige Analyse kann Ihnen aufzeigen, wo das Potential des „Upsellings“ liegen könnte: Finden Sie heraus, welche zusätzlichen Produkte und Dienstleistungen Sie Ihren Kunden verkaufen könnten, wo Sie Expertise haben und Sie ein Bedürfnis Ihrer Kunden spüren.

4. Margen-Optimierung

Die Marge ist der Spielraum zwischen den Gestehungskosten und dem letztendlichen Verkaufspreis – der Betrag, den Sie mit einer Einheit Ihres Produktes oder Dienstleistung verdienen. Oder anders ausgedrückt: Die Marge gibt an, wie viel Wert Ihr Unternehmen auf dem Markt Ihren Produkten hinzufügt.

Vergessen Sie nicht: Über die Marge müssen Sie diverse Kosten finanzieren: die Schulden, Zahlungsausfälle Ihrer Kunden, Steuern etc. Je nach dem bleibt nach all diesen Zahlungen nicht mehr viel übrig.

Nach geläufigen Regeln ist eine Marge von 20% nicht gut genug. Für viele erfahrene Unternehmer ist eine Marge grösser als 60% gut. Es gibt auch Unternehmen, die mit Margen von 90% arbeiten. Je höher die Margen, desto besser funktioniert Ihr Geschäftsmodell. Finanz-Prinzip: Suchen Sie nach hochmargigen Geschäftsmodellen.

5. Fixkosten

Zu den Fixkosten gehören die fixen Teile der Saläre Ihrer Mitarbeiter, Kosten für Einkauf von Material oder Rohstoffen (sofern sie ein Produktions- oder Handelsbetrieb sind) und wiederkehrende vertraglich vereinbarte Ausgaben mit einer längeren Kündigungsfrist wie z.B. Mieten, Internet-Leitungen, Handy-Verträge, SaaS-Angebote, etc.

Ausgaben mit einem einmaligen Charakter haben für die mittelfristige Gesundheit der Unternehmung keinen grossen Einfluss. Die Entscheidung über zusätzliche Fixkosten hingegen muss sich ein Unternehmer sehr gut überlegen. Solche Kosten lassen sich nicht ohne weiteres senken. Geringe Preisunterschiede addieren sich über Monate und Jahre zu grossen Summen, die der Unternehmer künftig nicht ohne weiteres beeinflussen kann.

Die wiederkehrenden Fixkosten müssen sehr viel tiefer sein als der Mittelzufluss aus den operativen Einnahmen. Wird diese Differenz kleiner, dann können sich dunkle Wolken über der Unternehmung zusammenziehen.

6. Steuern

Vergessen Sie die Steuern nicht! Um Steuerzahlungen kommen Sie als Unternehmer nicht herum. Die Steuerzahlungen machen bei vielen Unternehmen einen beträchtlichen Anteil aller Ausgaben aus. Denken Sie nur an die letzte Summe, die Sie für die Begleichung der Mehrwertsteuer-Rechnung überwiesen haben. Steuern müssen Sie regelmässig bezahlen.

Sie müssen unbedingt wissen, wann und in welcher Höhe welche Steuer-Rechnungen auf Sie zukommen. Nutzen Sie dabei den erlaubten Spielraum aus, um die mögliche Steueroptimierung zu erzielen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, Steueranreize auszunutzen und dies nicht tun, dann haben Sie auf dem Markt und gegenüber Ihren Konkurrenten einen Nachteil. Deshalb sollten Sie dieses Finanz-Prinzip zu einer sorgfältigen Steuerplanung anhalten, auch wenn Sie kein multinationales Unternehmen sind.

Kunden von Run my Accounts beraten wir jeweils im Rahmen des Abschluss-Gespräches zu den Möglichkeiten einer Steueroptimierung.

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7. Schuldentilgung

Ein Unternehmen verschuldet sich in der Hoffnung, mit den zusätzlichen liquiden Mitteln zusätzliche Einnahmen generieren zu können. Diese Zusatzeinnahmen sollen dann die Darlehen finanzieren und letztlich tilgen können. Treffen diese Erwartungen nicht ein, hat das Unternehmen Problem. Das Finanz-Prinzip ist, dass Schulden zwingend bedient werden müssen: Sowohl Zinsen, Amortisierung als auch die Schuldentilgung kommen unweigerlich auf das Unternehmen zu.

Die tatsächliche Höhe der Schulden ist an und für sich irrelevant: Relevant ist nur die Tatsache, wie hoch die monatlichen Rückzahlungen in Zukunft sein werden und ob das Unternehmen diese Rückzahlungen aufbringen kann.

In der Corona-Zeit waren viele Schweizer Unternehmen dazu gezwungen, sich zu verschulden. Dies ohne dass zusätzliche Einnahmen in Aussicht standen. Bei der Verschuldung ging es bei oft ums blosse Überleben. Deshalb ist es umso wichtiger, bereits heute genau zu verstehen, wann welche Beträge bezahlt werden müssen. Dazu braucht es einen seriösen vorausschauenden Plan, um das Überleben des Unternehmens zu sichern.

8. Investitionen

Wie stark ist Wachstum in Ihrem Geschäftsmodell von Investitionen abhängig? Können Sie den Umsatz ohne wesentliche zusätzliche Investitionen steigern? Oder müssen Sie dazu viel Geld in Anlagevermögen, Entwicklung oder gar Immobilien investieren?

Je tiefer die Investitionen pro zusätzlichem Franken Umsatz sind, desto skalierbarer ist das Geschäfsmodell und je einfacher ist es, eine Expansion zu finanzieren. Interessant ist die Skalierbarkeit deshalb, weil auf diese Weise bei steigendem Umsatz die Marge vergrößert werden kann. Weil kein oder nur wenig Kapital für das Unternehmenswachstum bei vorhandener Skalierbarkeit notwendig ist, wirkt sich dies positiv auf den Unternehmensgewinn und damit den Wert des Unternehmens aus.

9. Eigenkapital

Die Finanzierung mit Eigenkapital ist dann notwendig, wenn der Geldfluss aus operativen Tätigkeiten nicht ausreicht, um das Überleben zu sichern oder die Wachstumspläne des Unternehmens umzusetzen. Je nach Plan: Ein Finanz-Prinzip besteht darin, dass sich Unternehmen mittel- bis langfristig vollständig aus operativen Einnahmen finanzieren können müssen, sonst hat das Unternehmen keine Berechtigung zu existieren. Dabei nützen auch noch so hochtrabende und brilliant wirkende Geschäftsmodelle nichts, wenn sie sich in absehbarer Zeit nicht in operativem Cashflow manifestieren.

Die Finanzierung mit Eigenkapital kann über neue Aktionäre oder Einzahlungen bestehender Eigentümer geschehen. Dabei können auch Darlehen (aus dem Bereich der Finanzierung) in Eigenkapital umgewandelt werden.

9 Finanz-Prinzipien: Schlussfolgerungen

Der Nettogewinn fehlt bewusst in der Liste der 9 Finanz-Prinzipien. Alleine aus dem Nettogewinn können Sie keine sinnvollen Handlungsanweisungen folgern. Er lässt nicht darauf schliessen, was in einem Unternehmen genau geschieht – oder auch nicht.

Versuchen Sie, Ihre Unternehmung auf die Geldströme aus den 9 Finanz-Prinzipien zu analysieren. Versuchen Sie dann zu erkennen, ob die entdeckten Resultate Probleme verursachen oder Optimierungsmöglichkeiten bieten können. Wenn Sie diese grundlegenden Finanzprinzipien in ihrem Geschäftsmodell berücksichtigen, dann werden Sie mit Ihrer Unternehmung erfolgreicher sein und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können.

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